Medien | Transformationen. Technik und Theoriekompetenz.

Mitherausgeber Medien Journal 1/2004.



Editorial


Die gegenwärtige Kulturrevolution ist technisch, nicht ideologisch.
Vilém Flusser (1985)


Wissenschaftliche Problembewältigung funktioniert oftmals deshalb nicht,weil gewisse Problemstellungen schlichtweg nicht wahrgenommen werden. Zudem generiert die Problembewältigung beständig neue Probleme und diese entziehen sich durch einen kanalisierten Blick vollkommen der Wahrnehmung. Welche Probleme erkennen die Humanwissenschaften (Sozial-,Kultur-,Geisteswissenschaften) nicht bzw.wovon abstrahieren sie in ihren Forschungen? Ergeben sich aktuelle Probleme in der Forschung gar aufgrund einer Abstraktion? Einer Ignoranz letztlich, welche die fortgeschrittene Mediatisierung der Gesellschaft betrifft? Sollten gar – und das im Zeitalter der Informationsgesellschaft – die unzulänglichen Analyseverfahren einer akademischen Selbstbezüglichkeit entsprechen, weit entfernt von den Wirklichkeiten der realen Medienkultur? Wenn diese Fragen auch nur im Ansatz bejaht werden können,dann stellen sie gewiss eine disziplinäre Kränkung dar.Die Medienwissenschaften müssen wohl zugeben, in den vergangenen Jahrzehnten sich weder in der Theoriebildung noch mit Forschungsergebnissen sonderlich hervorgetan zu haben – und das in einer Zeit, für die Medien ganz generell zum zentralen Thema geworden sind.Medientheorie und Medienkritik sind nicht besonders gefragt, und vor allem der akademische Mainstream scheint damit zufrieden zu sein, sich im Schatten der seit den 80er Jahren immer unscheinbarer gewordenen Sozialwissenschaften zu bewegen. Diese Feststellung freilich kommt einer Kränkung gleich: Und wie der Philosoph und Soziologe Dietmar Kamper einmal deutlich gemacht hat, führt der Unwille, auf eine Kränkung produktiv zu reagieren, zu einem „totalen Zwang“ – dem Festhalten an traditionellen Denkschemata.

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